Die zweitgrößte Huftierart Deutschlands ist Botschafter für die Biotopvernetzung und die Restauration unserer Ökosysteme...
Der Rothirsch Cervus elaphus ist von der Deutschen Wildtierstiftung zum Tier des Jahres 2026 gekürt worden. Im Schutzgebietskomplex Wahner Heide-Königsforst kommt noch eine ursprüngliche Population vor.Nach der Ausrottung von Wisent Bison bonasus, Ur Bos primigenius und Eurasischem Wildpferd Equus ferus im Mittelalter, der gefährdeten Wiederansiedlung des Wisents im Osten NRWs sowie der selbstständigen Wiedereinwanderung des einst ausgerotteten Elchs Alces alces ist der Rothirsch aktuell das zweitgrößte wild lebende Tier Deutschlands.
Wie alle Huftierarten ist der Rothirsch von zentraler Bedeutung für die natürliche Vielfalt unserer Ökosysteme. An seine Einflüsse wie Verbiss, Tritt und Kot sind ganze Nahrungsnetze gebunden. Mit seinen jahreszeitlich bedingten Migrationen spielt er eine wesentliche Rolle bei der Vernetzung von Lebensräumen bzw. Tier- und Pflanzenpopulationen.
Laut der aktuellen Roten Liste der Säugetiere Deutschlands (Meinig et al. 2020) gilt er nicht als gefährdet. Doch war auch der Rothirsch Mitte des 19. Jahrhunderts nahezu ausgerottet, beruhen die meisten Populationen heute auf Wiederansiedlungen. Und nur ein kleiner Bruchteil der ursprünglich flächendeckenden Verbreitung ist wiederhergestellt, da mit jagdrechtlichen Regelungen v.a. der westlichen Bundesländer eine natürliche Wiederausbreitung aktiv verhindert wird.Die südliche Heideterrasse mit Wahner Heide, Königsforst und Lohmarer Teichlandschaft beherbergte eine der letzten autochthonen Bestände Deutschlands. Die Population war durch den Bau der A 3 1936/37 getrennt worden, durch die Einrichtung von zwei Grünbrücken zwischen Wahner Heide und Königsforst in 2013 wieder miteinander vernetzt worden. Doch auch diese Population ist auf das nach diesen beiden Gebieten benannte "Verbreitungsgebiet" beschränkt: Rothirsche müssen abgeschossen werden, wenn sie außerhalb der in der "Landesjagdgesetzdurchführungsverordnung NRW" definierten "Verbreitungsgebiete" angetroffen werden. Auch mit der Einführung des so genannten "Ökologischen Jagdgesetzes" unter Rot-Grün in 2015 war diese naturschutzfeindliche Regelung nicht abgeschafft, sondern lediglich "Bewirtschaftungsbezirke" in "Verbreitungsgebiete" umbenannt worden. Die Lobby der ideologisch an Forstpflanzen oder an maximaler Holzproduktion orientierten Forstwirtschaft war zu groß gewesen. Dabei zeigen Bundesländer wie Brandenburg oder Sachsen-Anhalt, dass es auch anders geht und Land- und Forstwirtschaft auch mit Rothirschen funktioniert.



