Besucherportal Turmhof, Rösrath, Wahner Heide / Königsforst

Aktuelles:

So, 08.07.2018, 14:23 Uhr

Nachlese: Fledermaus-Exkursion im Geisterbusch mit Justus Jonas

Was macht man an einem sommerlichen Freitagabend im Juli? Man geht in die (Wahner) Heide und spürt Fledertieren nach – was sonst.

Letzten Freitag (06.07.2018) hatten BUND und BĂĽndnis Heideterrasse zu einer Fledermaus-Exkursion in die Wahner Heide geladen, unter der Leitung von Jonas Schaffrath, mit logistischer UnterstĂĽtzung (TĂĽr aufschlieĂźen, Beamer) von Justus Siebert.

13 TeilnehmerInnen hatten sich im Heideportal Turmhof in Rösrath eingefunden, um mehr über die heimische Fledermaus-Welt zu erfahren. Wie sich in der Vorstellungsrunde ergab, hatten die meisten keine oder nur mit Fragezeichen versehene Begegnungen mit Fledermäusen gehabt. Ob das eine frühe Fledermaus oder eine späte Schwalbe war, die man neulich vor dem Fenster gesehen hatte, das wusste nicht jede(r) zu beantworten.

Jonas Schaffrath erklärt die Welt der heimischen Fledermäuse
Jonas Schaffrath erklärt die Welt der heimischen Fledermäuse
© Justus Siebert
Deshalb, und weil es ohnehin noch zu hell war (um 21 Uhr) begann Jonas zunächst mit einer Einführungs-Präsentation. Welche Arten es gibt, was sie fressen (Insekten), wo und wie sie leben, nämlich mitten unter uns, auch in der Stadt. Dass sie sich in den Wohnbereich unserer Behausungen verirren, und dann im Zimmer umherfliegen (auf der Such nach dem Ausgang), wie ein Teilnehmer aus eigener Erfahrung berichten konnte, komme aber nur selten vor. Da sie sich akustisch so gut wie nicht bemerkbar machen, und vornehmlich in der Dunkelheit aktiv sind, wenn man nun mal nichts sieht, bemerkt man sie kaum. Es sei denn, man schaut gezielt gegen den noch hellen Abendhimmel.

Der Jahreszyklus der Fledermäuse
Der Jahreszyklus der Fledermäuse
© Justus Siebert
Noch deutlicher lassen sie sich mit Detektoren nachweisen, welche die Ultraschall-Rufe in für uns hörbare Frequenzen übersetzen. Um das auszuprobieren ging es dann, als es gegen 22 Uhr endlich dunkel genug wurde, los. Das Wetter passte, kein Regen und kaum Wind. Weit brauchten wir nicht zu gehen (10 Meter), direkt hinter dem Ausgangstor vom Turmhof, an der Weidekoppel, schlugen die Detektoren an, und gaben ein Knattergeräusch von sich. Und tatsächlich konnten wir gegen den Abendhimmel die Fledermäuse auch flattern sehen. Das ist durchaus ein Erkennungsmerkmal, wie Jonas erklärte, woran man sie von Vögeln unterscheiden kann: Das Flugbild ist eher hektisch und zickzack-artig, fast als würde ein Vogel rückwärts fliegen.

Weiter gings durch Rösrath-Brand Richtung Busenberg. An manchen Stellen schlugen die Detektoren besonders intensiv aus, meist an Wald- oder Straßenrändern, weil die Fledermäuse dort bevorzugt patrouillieren. Es gab also zu sehen und hören genug, um welche Arten es sich handle, das sei schon schwieriger zu bestimmen, so Jonas. Dass auf jeden Fall Zwergfledermäuse (Pipistrellus pipistrellus) dabei waren, konnte er schon am Klangbild erkennen, aber auch, weil es unsere häufigste Art ist und eigentlich immer mit dabei.

Was noch auffiel: Unter den Straßenlaternen war kaum Insekten-Flug zu sehen, was man von Mittelmeerländern her kennt, oder auch von uns, bis in die 80er Jahre hinein. Womit wir bei dem Thema Gefährdung und Schutz waren. Als Insektenfresser sind Fledermäuse auf eine ausreichende Menge an Insekten angewiesen, vornehmlich nachtaktive wie Nachtfalter, und davon gibt es in unserer Landschaft immer weniger, nicht nur die Bienen sind betroffen sondern auch ihre nicht so prominent-sympathiebedachten Verwandten. In der zunehmend industrialisierten Landwirtschaft ist immer weniger Platz für Randstreifen zwischen Mais- und Weizenfeldern und auf den Feldern selbst wird möglichst alles ausgemerzt, was nicht dem Ernteziel entspricht, Stichwort Glyphosat und Neonikotinoide. Es gibt aber auch noch andere Faktoren, Lichtverschmutzung als nächstes Stichwort, mit dem Blick vom Busenberg auf den Flughafen, eine ewige Lichtquelle inmitten der Wahner Heide. Gibt es evtl. deshalb in der Heide weniger Insekten, weil die alle wie die Motten zum Flughafen gezogen sind? Oder in die zunehmend beleuchteten Städte?

Jonas (links) und Batlogger (rechts) lauschen nach Fledermaus-Echolauten
Jonas (links) und Batlogger (rechts) lauschen nach Fledermaus-Echolauten
© Justus Siebert
Beantworten konnten wir diese Fragen nicht, immerhin hatte Jonas noch ein paar Tipps parat, was man zumindest im Kleinen für Fledermäuse machen kann: Fledermauskästen bauen und am Haus aufhängen, Nachtkerzen für Nachtinsekten pflanzen, beim Hausbau ein paar einfache Dinge beachten, um den Tieren Schlupfwinkel zu belassen, den eigenen Garten naturnah gestalten. Davon profitieren auch andere Tiere, Kröten zum Beispiel, von denen so einige unseren Weg kreuzten. Es waren aber dennoch Erd- und keine Kreuzkröten, die hier im Geisterbusch auf dem November zu erwarten gewesen wären. Denn hier, mitten auf dem sandigen Weg in einer steppenähnlichen Landschaft, laichen die Kreuzkröten besonders gerne in den flachen besonnten Pfützen. Voraussetzung ist allerdings, dass es diese Pfützen gibt, was in der derzeitigen Dürrephase nicht der Fall ist.

Gegen Mitternacht waren wir zurück am Turmhof, um einige Erkenntnisse reicher. Was außer Zwergfledermäusen sonst noch um uns herum geflattert war, das wird vielleicht eine genauere Analyse zeigen, wenn die Aufzeichnungen des Batloggers ausgewertet sind. Schön wäre, wenn die Mopsfledermaus dabei wäre, die vor zwei Jahren ja schonmal von Experten im Rahmen des GEO-Tags der Artenvielfalt hier nachgewiesen wurde. Schaun wir mal…

Öffnungszeiten

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Video Eröffnung 01.05.2012

Video: Eröffnung Heide-Portal Turmhof, Rösrath