Besucherportal Turmhof, Rösrath, Wahner Heide / Königsforst

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Do, 12.10.2017, 19:34 Uhr

Faunistischer Oktober-Spaziergang im Thielenbruch

Landlebende Strudelw√ľrmer und Windelschnecken sind Bewohner eines abwechslungsreichen Lebensraumes.

Verzahnung von Land und Wasser im Thielenbruch
Verzahnung von Land und Wasser im Thielenbruch
© BUND RBK
Teilnehmende: Bufdis von Turmhof und BUND RBK, sowie Praktikanten und Bufdis des BUND K√∂ln. Die Exkursion war gepr√§gt durch ein herbstliches Schmuddelwetter nach Regenf√§llen. So was klingt zun√§chst einmal nicht nach Tieren. Es gibt allerdings eine Reihe von Arten, die noch im Herbst aktiv sind und sich reproduzieren oder als adultes Tier √ľberwintern (im Falle der Insekten heisst das: als Imago). Diese Arten bewegen sich, ein wenig gesch√ľtzt vor dem Wetter, im Laub oder sitzen unter loser Rinde oder unter Totholz. Der zu den Tausendf√ľ√?ern geh√∂rende Saftkugler Glomeris marginata ist so ein Beispiel. Er unterscheidet sich von den sich ebenfalls einkugelnden, zu den Krebstieren geh√∂renden Rollasseln (z.B. Armadillidium vulgare und Armadillidium opacum) unter anderem durch den Umstand, dass er zwei Beinpaare pro K√∂rpersegment und eine einzige Platte als hinteren Abschluss hat.

Vielen Besuchern des Thielenbruchs sicherlich unbekannt: Landplanarie (Microplana spec.)
Vielen Besuchern des Thielenbruchs sicherlich unbekannt: Landplanarie (Microplana spec.)
© BUND RBK
Ein gewisses Highlight war eine Landplanarie (Microplana spec.) - optisch gibt sie als ‚??grau-braunes schleimiges W√ľrmchen‚?? (siehe Foto) nicht viel her, aber sie ist einer der wenigen heimischen landlebenden Vertreter der eigentlich aquatisch lebenden Strudelw√ľrmer. Die weichh√§utigen Planarien sind √ľberraschender Weise Pr√§datoren. Mit anderen Worten: Sie sind kleine Raubtiere, die andere Bodenlebewesen vertilgen. Daf√ľr st√ľlpen sie ihren mittig im K√∂rper nach Aussen m√ľndenden Magen √ľber die Beute. Die Schwellung des Hinterleibs des Tieres im Bild entspricht nicht dem Normalzustand. Sie kann die Folge einer Mahlzeit, die Produktion eines Eigeleges, einer Infektion oder vielleicht eine Parasitierung sein.

Baumstämme bieten einfache Möglichkeiten zur Naturbeobachtung (hier: Kugelspinne)
Baumstämme bieten einfache Möglichkeiten zur Naturbeobachtung (hier: Kugelspinne)
© BUND RBK
Einige Tiere wie Schnecken (u.a. die B√§nderschnecken Cepaea nemoralis und Cepaea hortensis), Asseln (u.a. Oniscus asellus und Porcellio scaber), Hundertf√ľsser (u.a. Geophilus electricus) und einige Tausendf√ľsser steigen bei dem feucht-k√ľhlen Wetter an B√§umen und stehendem Totholz auf. Auf der Rinde von B√§umen sa√?en auch Fliegen, Raupen, Weberknechte und Spinnen, die vermutlich f√ľr ein besseres Wetter ausharrten. Wir konnten aber auch ausfliegende Hornissen (Vespa crabro) sehen. Letztlich erreichte das Thermometer die 15-Grad-Marke. Das reicht f√ľr Hummeln zum Fliegen. Theoretisch. Das einzige Exemplar, dass wir sahen, sa√? nass und steif in der Vegetation. Es handelte sich m√∂glicherweise um eine parasitierte Arbeiterin, die nicht √ľber Nacht in den w√§rmeren Stock zur√ľck geflogen ist. K√§lte verz√∂gert die Entwicklung des Parasits.

Mehr als Gras: Lebensraum Schlodderdeichs Wiese
Mehr als Gras: Lebensraum Schlodderdeichs Wiese
© BUND RBK
Ruhiges Stehen an einem Ort bringt neue Einsichten. Wir konnten am Rande der Schlodderdeich-Wiese unterschiedliche Weich- und Graswanzen und einen Siebenpunkt-Marienk√§fer (Coccinella septempunctata) an Gr√§sern empor klettern sehen. Auch eine Herbstwiese lebt! In einem B√ľschel Gras stellten wir unter anderem diverse Springschw√§nze (Collembola), kleine Fliegen, junge Wanzen, eine Blattlaus, kleine Spinnen (Linyphiidae s.l. und Jungtiere), eine eventuell blattlausfressende gr√ľne Schwebfliegenlarve (Syrphidae) und viele etwa 2-3mm ‚??grosse‚?? Windelschnecken (Vertigo pygmaea) fest. Auff√§lliger war die kantige Laubschnecke (Hygromia cinctella), eine eingeschleppte Art, die sich in Ausbreitung befindet. Wir beobachteten diesen St√∂rungszeiger an mehreren Stellen des s√ľdlichen Thielenbruchs. Summarisch betrachtet: Wir haben gelernt, dass eine Bestimmung mit einfachen Mitteln im Gel√§nde nicht immer zu abschliessenden Ergebnissen -also einer Artdiagnose- f√ľhrt. Aber wir haben auch vieles aus der heimischen Tierwelt gesehen.

Öffnungszeiten

  • Donnerstag bis Sonntag:
    10 bis 17 Uhr
    März bis Oktober:
    Samstag + Sonntag
    bis 18 Uhr

Video Eröffnung 01.05.2012

Video: Eröffnung Heide-Portal Turmhof, Rösrath