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Exkursion in den wilden Königsforst

Buchenforst trifft Heidemoor...

Sticht zeigt auf Calluna

Sticht zeigt auf Calluna

© Susanne Braun-Griesberg
Bei der heutigen fast fünfstündigen Exkursion der Stadt Rösrath für die Amphibienhelfer der Stadt, geführt durch Holger Sticht, gelang es, einen sehr aussagekräftigen und schönen Querschnitt durch diesen sehr schützenswerten Bereich des Königsforsts zu zeigen.

Und dabei gab es, für Manchen unerwartet, viel zu entdecken!
Unerwartet deshalb, da der Königsforst in weiten Teilen auf den ersten Blick als relativ eintönig und forstwirtschaftlich überprägt erscheint: Gepflanzte Baumreihen der jeweiligen Mode-Arten Buche, Fichte und Douglasie. Schaut man jedoch genauer hin, entdeckt man die Schönheit der Natur an den Stellen, an denen diese sich den Weg zurück erobern durfte! Das, was man in der Wahner Heide als besondere und seltene, aber dort übliche Pflanzenwelt erlebt, blitzt hier an unterschiedlichen Stellen immer wieder als kleine und unerwartete Schätze auf.

Wer würde schon in einem Wald namens "Forst" eine wunderschöne, mit erstem Heidekraut bewachsene kleine Lichtung, oder einen Tümpel mit seltenen Pflanzen wie dem Südlichen und dem Kleinen Wasserschlauch, beides Arten der Roten Liste Deutschlands, erwarten? Oder in einem Wildaufwuchs neben dem Weg sechs verschiedene Heuschrecken-Arten, u.a. große Goldschrecke und Sichelschrecke, vermuten? Dazu mitten im Forst ein nachwachsendes und höchst schützenswertes Moorrelikt mit einer ganzen Fülle an Libellenarten und zufälligerweise einem Eisvogel?

Es ist unter Anderem der Kontrast zwischen Ökosystem Wald und Ökosystem Forst, der diese Exkursion so lehrreich und interessant machte:
Auf einer Seite des Weges eine Buchen-Monokultur, ein Bereich, in dem - zurzeit - nichts anderes wachsen kann als die künstlich gepflanzten Buchen, vor Allem da hier durch das dicht wachsende Blätterwerk zu wenig Licht den Boden und damit die in der Erde wartenden Samen erreicht. Auf der anderen Seite des Weges eine vor Jahren durch einen Sturm freigelegte Fläche mit einer explodierenden Fülle an Pflanzen des Waldes und der Heide, in der nun genau das wächst, was bisher geduldig im Boden gewartet hat! Hier finden sich zudem bereits nach kurzer Zeit offene Flächen liebende Tiere wie die Zauneidechse ein, die wiederum anderen Arten wie beispielsweise der Schlingnatter Nahrung bietet.

Erica neben Calluna und Blutwurz im Wichelterbruch

Erica neben Calluna und Blutwurz im Wichelterbruch

© Holger Sticht
Auch in den für die natürliche Vegetation so zerstörerischen Entwässerungsgräben entlang der Wege kann sich ein Teil der ursprünglichen Vegetation halten, so findet man auch hier Rote-Liste-Arten wie beispielsweise das Knöterich-Laichkraut oder auch das Sumpfveilchen.

In beeindruckender Weise kann man also am Beispiel Königsforst sehen, in welch kurzer Zeit sich der natürliche Artenreichtum, der hier bislang durch Menschenhand unterdrückt wurde, zurückentwickelt, wenn nicht durch künstliche Pflanzungen eingegriffen wird. Dabei stören bis auf wenige Ausnahmen auch einige der Neophyten und damit in unserem Ökosystem vergleichsweise recht neue Arten nicht, da sie zum Teil entweder bereits nach und nach auf natürliche Weise in das hier vorhandene Ökosystem integriert wurden oder teilweise so spät blühen, dass sie keine Größere Konkurrenz zu einheimischen Arten darstellen. Eine unerfreuliche Ausnahme bildet dabei beispielsweise allerdings die Spätblühende Traubenkirsche, die durch ihren starken Aufwuchs und intensive Verbreitung eine ungeheure Konkurrenz für andere Arten darstellt und die ursprüngliche Kraut- und Strauchflora in Laubwäldern und an halboffenen Standorten zu verdrängen droht. Hier setzt auch ein Teil der Naturschutzmaßnahmen des Bündnis Heideterrasse an, das bspw. in der Dellbrücker Heide sehr erfolgreich durch Beweidungsprojekte und aktive Mithilfe von ehrenamtlichen Helfern diese eingeschleppten Pflanzen zurückdrängt.

Unser Fazit also:

Der Königsforst hat viel zu bieten - überall dort, wo Monokultur weicht, entstehen wunderschöne Fleckchen, die uns zeigen, wie schützenswert dieses Gebiet und wie wichtig der Erhalt der natürlichen Vielfalt ist!

Heideportal Turmhof, Logo
Bündnis Heideterrasse e.V.